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Tagebuch: Projekt Schneiderei in Kapstadt

Stofflokal | Laden

Projekt Tagebuch

Afrika ruft wieder – und ich folge. Trotz allem.

Ich freue mich riesig, dass unsere Reise weitergeht und ich mein Afrika-Tagebuch wieder mit Leben füllen darf.

Aber ich möchte auch ehrlich sein: Lange war ich mir überhaupt nicht sicher, ob ich dieses Jahr nach Afrika fliegen werde. Ich habe mich oft gefragt, ob ich körperlich und emotional überhaupt genügend Kraft dafür habe. Meine längere Erkrankung im Sommer hat mich ziemlich aus der Bahn geworfen, und auch heute fühle ich mich noch längst nicht wieder so fit, wie ich es gerne wäre. 

Und als wäre das nicht schon genug, macht mir auch mein Knie wieder ordentlich zu schaffen. Es sieht ganz danach aus, als müsste ich mich wohl oder übel zum dritten Mal einem Meniskuseingriff unterziehen. Nicht gerade das, was man sich wünscht, wenn man voller Tatendrang durch Afrika reisen möchte. 😉 Und wenn ich ganz ehrlich bin, weiss ich bis heute nicht so genau, ob meine Energiereserven für alles reichen werden. Aber vielleicht muss ich das auch gar nicht im Voraus wissen.

Was ich aber weiss: Die Vorfreude ist da. Und wie! Mamma Rosie wiederzusehen, all die lieben Menschen in die Arme zu schliessen, vertraute Gesichter zu sehen und wieder ein Stück Afrika zu spüren – darauf freue ich mich unglaublich.

2026 hat mich gefordert. Und tut es noch immer. 😊 Es war und ist ein Jahr, das mich immer wieder an meine Grenzen gebracht hat. Ein Jahr mit vielen Herausforderungen, Gedanken und Momenten, in denen ich einfach nur funktioniert habe. Gleichzeitig stehe ich mit einem Bein gedanklich bereits im 2027. Neue Projekte, neue Aufgaben, neue Erwartungen. Dieser Spagat zwischen dem, was gerade ist, und dem, was bereits wieder auf mich wartet, fällt mir nicht immer leicht. Manchmal ist es schlicht zu viel. Und ich glaube, das darf man auch einmal laut sagen.

Denn der Druck als Selbständige in meiner Branche ist da. Und er ist gross. Ohne ständige Innovation, neue Ideen und den Mut, immer wieder etwas auszuprobieren, gäbe es das Stofflokal wohl längst nicht mehr. Machen wir uns nichts vor: Jeder, der eins und eins zusammenzählen kann, weiss, dass man heute mit dem reinen Verkauf von Stoffen kaum noch überleben kann.

Und dann kommt noch unser lieber Online-Grossmarkt aus Übersee dazu, der mit seinen Preisen und seiner schier grenzenlosen Auswahl so vieles kaputtmacht. Da mitzuhalten ist nicht nur schwierig, sondern schlicht unmöglich. Und manchmal frage ich mich schon, wohin diese Entwicklung noch führen soll.

Also heisst es: kreativ bleiben, neue Wege suchen, Ideen entwickeln, Entscheidungen treffen, Risiken eingehen und irgendwie immer einen Schritt voraus sein. Am besten natürlich mit einem Lächeln im Gesicht. 😉

Ich liebe, was ich tue. Und ich liebe mein Stofflokal. Aber diese Liebe allein nimmt einem weder die Verantwortung noch die Sorgen ab. Und ja, manchmal eben auch nicht die schlaflosen Nächte.

Wie soll man bei all dem immer stark bleiben und so tun, als wäre alles ganz einfach?

Vielleicht sind es aber gerade all diese Dinge, die mich schlussendlich dazu bewogen haben, wieder nach Afrika zu reisen. Denn sind wir ehrlich: Wir jammern hier manchmal auf ziemlich hohem Niveau. Wir ärgern uns über Dinge, die uns in diesem Moment riesig erscheinen, und verlieren dabei gelegentlich den Blick für das Wesentliche.

Ich erinnere mich noch so gut daran, wie ich letztes Jahr aus Kapstadt zurückgekommen bin. Wie ruhig und gelassen ich plötzlich war. Nicht, weil dort alles schön und einfach gewesen wäre. Ganz im Gegenteil. Ich habe so viel Elend gesehen, so viele schwierige Schicksale hautnah miterlebt und Menschen getroffen, die mit Herausforderungen kämpfen, die wir uns hier kaum vorstellen können.

Und genau das hat etwas mit mir gemacht.

Plötzlich waren die negativen Vibes im Geschäft nicht mehr ganz so wichtig. Wenn mich jemand angefahren hat, weil eine Stoffbestellung nach vier Tagen noch immer nicht eingetroffen war, habe ich das zur Kenntnis genommen – aber ich habe mich nicht mehr tagelang darüber geärgert. Ich habe gelernt, Dinge anders einzuordnen. Nicht alles persönlich zu nehmen. Und vor allem auch, dass ich mich nicht für alles rechtfertigen muss, schon gar nicht für Dinge, die ich gar nicht beeinflussen kann.

Das bedeutet nicht, dass unsere Sorgen hier nicht berechtigt sind. Auch unsere Probleme sind real. Aber manchmal tut es gut, die eigene Welt wieder aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Afrika hat mir genau das geschenkt. Und dafür bin ich unendlich dankbar.

Und vielleicht ist es gerade jetzt, wo mein Energiepegel ziemlich weit unten ist, der richtige Zeitpunkt, wieder dorthin zurückzukehren.

Nicht, weil ich glaube, dass in Afrika plötzlich alle meine Sorgen verschwinden. Oder weil ich dort einfach meine Batterien aufladen kann. Denn auch diese Reisen gehen mir emotional oft sehr nahe und kosten Kraft.

Aber sie geben mir gleichzeitig unglaublich viel zurück. Sie erden mich. Sie berühren mich. Sie erinnern mich daran, was wirklich zählt.

Vielleicht brauche ich dieses Jahr Afrika mehr, als ich es mir selbst eingestehen wollte.

Und mit genau diesem Gefühl starte ich heute mein neues Afrika-Tagebuch. Ohne grosse Erwartungen an mich selbst, aber mit einem offenen Herzen, viel Vorfreude und der Gewissheit, dass diese Reise wieder etwas mit mir machen wird.

Ich nehme euch gerne wieder mit. ❤️ Denn auch für mich tut es gut, meine Gedanken und Gefühle mit euch zu teilen. Nicht immer alles für mich zu behalten, sondern auch mal offen zu sagen, wie es mir wirklich geht. Und vielleicht schafft das ja auch ein bisschen Verständnis, wenn ihr merkt, dass eure Stoff-Tante des Vertrauens nicht immer auf Hochtouren läuft. 😊 Denn auch wenn mein Herzblut fürs Stofflokal riesig ist, sind meine Energiereserven manchmal einfach begrenzt. Und das darf auch mal so sein 😊

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